
125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Wanried
Das Feuerlöschwesen in Deutschland fristete hier wie anderswo bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts eher einen Dornröschenschlaf. Es existierten weder Freiwillige - geschweige denn berufsmäßig organisierte Feuerwehren. Der Brandschutz war lediglich durch sogenannte " Feuerlöschordnungen" oder "Feuersnotordnungen" geregelt. Hierin wurde bestimmt, wie sich im Falle eines Brandes die Bürger zu verhalten hatten und wer zur Gestellung von Pferden, Wagen usw. verplichtet war. Die ältesten Ordnungen dieser Art sind für das 14. Jahrhundert in Süddeutschland bekundet.
Diese Pflichtfeuerwehren erwiesen
sich jedoch als wenid effektiv. Einerseits war die Zahl der Feuerwehrmänner
unübersehbar groß und eine einheitliche Führung bei Brandeinsätzen kaum
möglich.
Andererseits wurden so gut wie keine Übungen
durchgeführt, sodass die notwendige Schlagkraft kaum erreicht werden konnte.
Hinzu kam eine Löschtechnik, diesich noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein im
wesentlichen auf einfache Wassereimer und hölzerne Stehleitern stützen
musste.
In Wanfried lässt sich eine
Feuerlöschordnung für das Jahr 1854 datieren. Sie gründet sich auf einer
Anordnung des " kurfürstlichen Kreisamtes zu Eschwege ", datiert am 24. Mai 1837
und wurde vom damaligen Bürgermeister Röder in Kraft
gesetzt.
Die Wanfrieder Pflichtfeuerwehr hattem eine Stärke von
exakt 334 Bürgern ( bei einer Einwohnerzahl von knapp 2000 Menschen ) und
bildete Abteilungen a 22 Mann. Mit deutscher Gründlichkeit waren alle
Einzelheiten berücksichtigt: Wer zum Beispiel einen Strick,
eine Kreutzhacke oder den Sack Nr. 1, 2 oder 3 mitzubringen hatte und
natürlich wer Führer und wer Gehorcher war - Übungen wurden dagegen auch in
Wanfried kaum durchgeführt.
An Material standen den
Feuerwehrmännern neben Fuhrwerken zum Transport im Wesentlichen eine Reihe von
ledernen Löscheimern zur Verfügung, die der Wehr jeweils von Neuvermählten zu
stiften waren.
Eine entscheidende Wende nahm das
Feuerlöschwesen Mitte des letzten Jahrhunderts. Hierbei war es vor allem die
Anfang des 19. Jahrhunderts vom legendären " Turnvater "
Friedrich- Ludwig Jahn ins Leben gerufene Turnerbewegung, die die
organisatorisch Grundlage schaffte, auf der bis heute das deutsche
Feuerlöschwesen aufbauen kann. Es waren die Ideen von der körpelichen wie
geistigen " Ertüchtigung " aller und die Verwirklichung des sozialen Gedankens,
die öffentliche Wohlfahrt und Nächstenhilfe, die einen wichtigen Anstoß für die
nun folgende Entwicklung darstellten.
Es "war der die deutschen Turnerherzen mit
Stolz erhebende, hochgemute Sinn eines Ludwig Jahn" wie ein Chronist 1929 mit
viel Pathos schrieb, der unseren deutschen Feuerwehren Schwungkraft verlieh.
Und diese Schwungkraft trat allmählich zutage: Immermehr zeigten sich Bürger
unzufrieden mit den Feuerlöschordnungen ihrer Städte und Gemeinden, sie
kritisierten den bürokratischen Aufbau und die unzureichende Schlagkraft der
Pflichtfeuerwehren. Zuerst im sächsischen Meißen (1841) und im badischen Durlach
(1846) wurden dann auf der Basis der Freiwilligen Feuerwehren aufgestellt.
Darauf folgten - vorwiegend in größeren Städten - zahlreich weitere Gründungen
von Freiwilligen Feuerwehren, teilweise als Abteilungen bestehender örtlicher
Turnvereine. Bis 1851 existierten bereits 29 Freiwillige Feuerwehren in
Deutschland.
Das deutsche Feuerlöschwesen änderte
seine Organisationsstruktur, aus der Pflicht wurde Freiwilligkeit und der
Brandschutz profitierte dabei.
Doch nun wieder zurück nach Wanfried: Wir schreiben das Jahr 1865, das Jahr also, dass den Anlaß für das 125. Jubiläum der Wanfrieder Wehr gibt. Es ist ein vergleichsweise ruhiges Jahr - 17 Jahre nach der 48´er Revolution in Deutschland und 5 Jahre vor dem letzten Krieg (1870/71), aus dem Deutschland siegreich hervorgehen wird. 1865: Wilhelm Busch veröffentlicht in diesem Jahr sein Buch " Max und Moritz", in Ludwigshafen wird die BASF gegründet und ein Mann namens Edward Whymper beszeigt erstmals erfolgreich das Matterhorn.
Die (noch) kurhessische
Kleinstadt Wanfried bewegen zu diesem Zeitpunkt jedoch andere Sorgen: Es geht um
die Feuerlöschordnung der Stadt. Seit 3 Jahren beseht in Wanfried einTurnverein,
dessen Vorstand Christoph Börttcher, Andreas Bührer, Theodor Kröger und Heinrich
Sendelbach bilden. Diese haben nicht nur die unzulänglichkeit der alten
Löschordnung erkannt, sondern sind eben 3 Jahre eifrig bemüht, bei jeder sich
bietenden Gelegenheit zu beweisen, daß der Turnverein die bessere Feuerwehr ist.
Die städtischen Körperschaften hingegen sind nicht bereit, die Löschordnung zu
ändern oder gar den Turnern finanziell unter die Arme zu greifen.
Die Wanfrieder Turnerriege setzt auf die eigene
Beharrlichkeit. Bereits im Oktober 1862 hatten die Turnfreunde Gelegenheit, ihre
Fähigkeiten unter Beweis zu stellen: Mitten in die Turnstunde hinein brach die
Nachricht von einem Feuer in der Kurziusschen Färberei in Treffurt! Die 40
Männer trabten kurzentschlossen Richtung Osten, erreichten nach 45 Minuten
Dauerlauf ( für die 9 Kilometer) die Brandstelle und halfen erfolgreich bei den
Löscharbeiten. Die Stadtväter zeigten sich allerdings davon wenig beeindruckt.
Ein Jahr später informierte sich der Vorstand dann auf dem regionalen
Feuerwehrtag in Eshcwege über den aktuellen Stand der Technik und die optimale
Durchführung von Übungen. Der erneute Antrag auf Anschaffung von
Ausrüstungsgegenständen für die Turner wurde von der Stadtverwaltung allerdings
erneut abgelehnt.
Im Mai des Gründungsjahres kommt es zum nächsten Einsatz
der Turner: Die Gattermühle brennt, es ist die Nacht auf Himmelfahrt, und die
Turner beweisen ihre Fähigkeiten erneut. Unterstützt werden die Männer con der
zweirädrigen Handspritze die der weitsichtige Stadtrat Tellgmann zur Verfügung
stellt.
Als dann im Sommer bei einem Brand in Frieda die Turner wiederum
erfolgreich mitlöschen, legt der Stadtrat seine zögerliche Haltung ab. Der
Turnervorstand ergreift die Gunst der Stunde, erarbeitet in wenigen Tagen die
Satzung der Turnerfeuerwehr, lässt sie durch die Stadtverwaltung absegnen und
wählt - es ist der 24. September - sein erstes Kommando. Als Kommandant wird
Heinrich Sendelbach bestimmt, der dieses Amt für die nächsten 32 (!) Jahre
ausüben wird, sein Stellvertreter wird Christoph Böttcher. Weiterhin gehören zu
den Männern der ersten Stunde: Julius Werneburg, Ludwig Rexrodt, Levi
Löwenstein, Carl Ständer und Philipp Goldmann. Die neue Wanfrieder Freiwillige
Turner- Feuerwehr erhält bereits sechs Wochen später Requisiten,
Ausrüstungsgegenstände sowie einen "Zubringer" für exakt 847 Thaler 23
Silbergroschen 6 Heller. ( Zum Vergleich: ein sächsischer
Industriearbeiter verdiente in dieser Zeit monatlich etwa 8- 10
Thaler)
Die Männer, die im blau- weißem Hemd, Mütze und Koppel
nunmehr die Verantwortumg für den Brandschutz ihrer Heimatstadt in den Händen
halten, organisieren sich- im Stil der Zeit - nach militärischem Vorbild,
gemäß der gegliederten Ordnung der Heeresleitung mit Amtsbezeichnung wie
Hauptmann oder Adjudant.
Es ist eine der ersten
Freiwilligen Feuerwehren in der Umgegend, die hier in Wanfried entstanden ist.
Von diesem Vorbild angeregt gründen sich 7 Jahre später die Freiwillige
Feuerwehr von Aue, 9 Jahre später die von Heldra, 1876 ziehen Schwebda und
Völkershausen nach und 1888 schliesst sich Altenburschla an.
Die Ausrüstung der Wanfrieder
Wehr war trotz der großzügigen Unterstützung durch die städtischen
Körperschaften eher bescheiden.
Den dicken Trumpf stellte die Handspritze des
Stadtrates Tellgmann dar, der diese 1878 der Feuerwehr überließ. Es handelte
sich um eine auf einem zweirädrigen Wagen ruhenden " Kipp- oder
Schlittenabprotzspritze " auch Pariser Spritze genannt. Die Wasserfördermenge
war jedoch gering und es musste erst ein Rohr zum mitgebrachten Wasserfass, dem
nächsten Teich, Bach oder der Werra gelegt werden - eine Wasserleitung gab es
bislang noch nicht in Wanfried.
Freilich war die Technik
anderorts bereits weiter vorangeschritten. Es gab z.B. leistungsfähigere
Handspritzen, auf welchen auch Personen aufsitzen konnten und seit 1863 gab es
sogar bereits vereinzelt Dampspritzen. Aber diese Technik war den größerern
Wehren vorbehalten. Die Wanfrieder Wehrmänner glichen die einfache Technik
dagegen durch eigenes Geschick und Eisatzwillen spielend wieder aus. Da ist z.B.
der Großbrand 1868 im thürigischen Creuzburg. Er ging als einer der großen
Brände in die Annalen der Heimatgeschichte ein: Über 40 Häuser der Stadt standen
in Flammen.
Gegen 11 Uhr mittags - es war August - stieg eine mächtige
Rauchsäule hinter dem Roten Berg auf, die Wanfrieder Wehrmänner vermuteten
Schnellmannshausen als Brandort und rückten aus.
In
Treffurt eilte ihnen ein reitender Bote entgegen, ein Feuermelder, der von der
Brandkatastrophe in Creuzburg berichtete. Um schneller voran zu kommen, besorgte
man sich in Schnellmannshausen Pferde und erreichte bald die brennende Stadt: -
zu Creuzburg herein musste Schritt gefahren werden - berichtet ein Augenzeuge,
weil die bedrängten und kopflos gewordenen Anwohner mit dem Retten ihrer
Mobilien die Fahrstrasse unpassierbar machten. Und weiter: - Auf der Brandstätte
selbst bot sich ein trostloses Bild. Wildes Geschrei und wüstes
Durcheinanderrennen. Keine umsichtige Leitung, die Behörden ohnmächtig, in dem
Wirrwar wandel zu schaffen, trotzdem sogenannte Feuerherren mit Hut, Federbusch
und Schärpe herumlungerten, die jedoch auf Befragen nicht im Stande waren, die
Hauptgefahr zu bezeichnen. Es blieb daher nichts übrig, um nicht unnütz erst
Zeit zu verlieren, die Hauptgefahr selbst zu ermitteln. Nachdem diese bei den
Hintergebäuden der Superintendentur erkannt war, wurde der Angriff dort mit
aller Kraft begonnen und der Erfolg auch nach dem Niederreißen dieser
Baulichkeit erreicht.
Und für alle die wissen wollen,
warum ausgerechnet die Wanfrieder Wehr den Erfolg herbeiführte und wie es also
offensichtlich am besten klappt, resümiert unser Augenzeuge: " Die Wanfrieder
Freiwillige Turner - Feuerwehr hielt ihr Gemeinsinn auf diesewr Brandstelle fest
zusammen, sie arbeiteten allesamt Hand in Hand und erreichten damit in kurzer
Zeit die Bewältigung dieses großen Schadenfeuers.
Die Eisenacher freiw.
Feuerwehr, die als Grund verspäteten Eintreffens das zerbrechen des
Manschaftswagens angab, machte asuch den Fehler sich in Teile zu zersplittern
und überall helfen zu wollen. Dadurch geht die Übersicht verloren und der Zweck
wird verfehlt.
Das Üben hatte sich also
gelohnt und der erneute Beweis war angetreten, daß eine überlegene Taktik,
das weitgehend selbstständige Handeln der einzelnen Abteilungen und die hohe
Einsatzbereitschaft der freiwilligen Wehrmänner die beste Voraussetzung für eine
gute Feuerwehr bilden.
In den ersten Jahrzehnten ihres Wirkens gelang es der Wanfrieder Freiwilligen Turner- Feuerwehr immer wieder im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei Brandeinsätzen größerern Schaden abzuwenden. Natürlich konnten die Wehrmänner mit ihren Wassereimern und der kleinen Handspritze nicht jeden Brand sofort restlos eindämmen. So brannte z.B. 10 Jahre nach dem Creuzburger Großfeuer in der Wanfrieder Martinsgasse die 3 Wohnhäuser der Familien Sieland, Schmerbach und Kremmer ab: ein Übergreifen auf weitere Gebäude wurde jedoch verhindert und ein Großbrand wie in Creuzburg abgewehrt.
Nach 32 Jahren Amtszeit trat dann 1897 Heinrich Sendelbach in den Ruhestand und wurde von dem neuen Kommandanten Hermann Trieloff ersetzt. Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts brachte für die Turner- Feuerwehr gleich zwei erfreuliche Neuerungen: Am 6. August 1902 wurde das neue Spritzenhaus am Gatter ( Kostenpunkt 8390 Mark ) feierlich eingeweiht und damit die provisorische Unterbringung des Geräts in einem Schuppen auf dem Schulgelände ( heute Standort der neuen Grundschule ) ein Ende gesetzt. Am 1. November 1907 schließlich wurde - ebenso feierlich versteht sich - die Wanfrieder Wasserleitung in Betrieb genommen. Damit erübrigte sich das zeitaufwendige und anstrengende Herbeiholen oder fahren von Wasser über weite Strecken. Ein Jahr später konnte die neue Wasserleitung dann erstmals richtig erprobt werden: Das Hoffmansche Haus - wieder in der Martinsgasse- brannte und es bestand die Gefahr, daß das Feuer auf die Apotheke übergreift, in deren Keller " explosive Stoffe " lagerten. Wie heute jeder Besucher der Rosenapotheke bestätigen kann, hatten auch diesmal die Feuerwehrmänner Erfolg bei ihrer Arbeit.

Turnerfeuerwehr 1908
1911 wurde Carl Israel zum
Kommandanten und Bezirksbrandmeister ernannt. Im August 1914 notiert er im
Protokoll- Buch der Wehr " Kriegszustand vom 1. August 1914 bis (mit Bleistift
später nachgetragen) 11.11.1918. Am 1. August erfolgte die Kriegserklärung gegen
Russland und Frankreich, erster Mobilmachungstag der 2. August. Mit der langen
Dauer des 1. Weltkrieges hatte wohl niemand gerechnet und auch die Bemerkung des
Kommandanten: "Die Geschichte wird jedoch genügend aufklären, dass nicht wir,
sondern unsere Gegner den Krieg gewollt und uns zur Kriegserklärung gezwungen
haben" hat sich im Nachhinein als Fehleinschätzung erwiesen.
Im 2. Kriegsjahr
begeht die Turner-Feuerwehr ihr 50jähriges Jubiläum. Kriegsbedingt fällt es eher
bescheiden aus - man hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 2 gefallene Wehrmänner zu
beklagen.
Im 3. Kriegsjahr entstand in der Firma Ungewitter ein Brand, der
bis heute nicht aufgeklärt werden konnte. Obgleich bei diesem Löscheinsatz bei
über 20° minus die Schläuche einzufrieren drohten und die Mehrzahl der
Wehrmänner im Krieg war, konnte das Feuer rasch an seiner Ausbreitung gehindert
werden.
Im Jahre 1924 trat Arthur Schocke an die Stelle des zurückgetretenen
Kommandanten Israel.
Ein Jahr darauf
erhielt die Wehr erstmals einheitliche Uniformröcke. Sie waren zunächst feldgrau
und wurden später blau umgefärbt. Was über größere Brände in dieser Zeit der
Weimarer Republik berichtet werden kann, ist schnell getan: 1926 brannte
die Lehmannsche Scheuer in der Bahnhofstraße aus (das Benzinlager von Könnecke
konnte dabei gerettet werden), 1930 ging die Rapsche Scheune in Flammen auf und
1933 wurde die Wehr bei einem Waldbrand bei Großburschla sowie beim Brand des
Hauses der Familie Grabe auf dem Wanfrieder Brauhausplatz aktiv.
Mit dem Jahr 1934 gab es für die
Wanfrieder Wehr gleich 2 wichtige Veränderungen: einmal wechselte das
Kommandantenamt auf Günter Kalden über. Zum Anderen brachte die neue Zeit des
"dritten Reiches" eine neue Satzung. Mit ihr wurde aus der "Wanfrieder
Freiwilligen Turner-Feuerwehr" die "Freiwillige Feuerwehr Wanfried". Mitglied
durfte fortan nur noch sein, wer gesund, kräftig, gewandt, männlichen
Geschlechts und natürlich "arischer Abstammung" war. Das Höchstalter wurde auf
60 Jahre festgelegt und die Feuerwehrmänner auf den nationalsozialistischen
Staat und seinen Führer eingeschworen. Eingeführt wurde weiterhin das
Führerprinzip: An der Spitze stand jetzt der "Führer" der Wehr, darunter der
"Führerrat" gefolgt von der Mitgliederversammlung.
Der Brandbezirk Wanfried
wurde auf 16 Gemeinden erweitert. 1936 schaffte man unter Bürgermeister Dr.
Braun eine Ziegler Motorspritze an. In den weiteren Jahren Schläuche,
Schaumlöscher und Luftschutzgeräte. Aus der Freiwilligen Feuerwehr wurde eine
"Luftschutzpolizei", die Geräte wurden für den Luftschutzeinsatz vorbereitet.
Ein Jahr vor Kriegsbeginn wurde Jakob Wetzestein zum "Führer" ernannt.
Der zweite Weltkrieg brachte Wanfried -
abgesehen von einem Bombenwurf auf die Werkstatt von Karl Wetzestein - keine
größeren Brände. Fliegeralarm und Luftschutzmaßnahmen bedeuteten jedoch für die
wenigen in der Stadt verbliebenen Feuerwehrmänner eine hohe Belastung.
In der Generalversammlung am 21.
Februar 1946 wurde die Wehr wieder neu errichtet und Karl Lieberknecht zum
Kommandanten gewählt. Das Löschgerät wurde von der amerikanischen
Besatzungsmacht freigegeben und im gleichen Jahr unter Bürgermeister Müller
durch ein Fahrzeug ergänzt.
In den ersten Nachkriegsjahren erfolgte dann der
Umbau des Gerätehauses: es wurde ein Erweiterungsbau für das neue Fahrzeug
erstellt sowie eine neue Wohnung aufgebaut; daneben stattete man die Räume mit
einer Warmwasserheizung aus, um bei jeder Temperatur über die Löschgeräte
verfügen zu können.
Das Gründungsjahr der Bundesrepublik und der DDR 1949 -
Ulrich Kalden übernimmt in diesem Jahr das Amt des Kommandanten - brachte eine
Reihe kleinerer Brände mit sich. So vermerkt das Protokollbuch: Filmrollenbrand
bei Speckhauer, Wohnungsbrand bei Koch am Untertor, Dachstuhlbrand bei Rehm in
der Martinsgasse, im Schmirgelwerk und in der Drogerie Franz. In den 50er Jahren
wird die Ausrüstung der Wehr weiter ergänzt: so wird 1952 eine zweite
Motorspritze und 1957 ein zweites Fahrzeug - ein motorisierter Schlauchwagen -
angeschafft.
Bei der Neuwahl 1955 wird Heinrich John an
die Spitze der Wehr gewählt. Nach erfolgreichen Werbeaktionen für neue
Mitglieder in Zusammenarbeit mit Bürgermeister Fleischhacker kann 1955 - als 1.
im Kreis - eine Schülerfeuerwehr ins Leben gerufen werden.
2 Jahre später wird dann ein
weiterer Bauabschnitt des Feuerwehrgerätehauses eingeweiht. Die Wanfrieder
Feuerwehr steht somit gut gerüstet am Beginn der 60er Jahre. Und das ist wohl
auch notwendig gewesen, wenn man einen Blick auf das Jahr 1963 wirft! Es ist,
wie Heinrich John feststellt, das Jahr des "Roten Hahnes" für Wanfried. Es
beginnt am 22. März mit einem Brand im Kalkhof, 2 Tage später brennt es im
Höllgraben, eine Woche später lodert die Schutthalde, 4 Tage danach rückt die
Wehr zu einem Flächenbrand bei Mähler aus, am 7. Mai gibt es Waldbrandalarm und
14 Tage später brennt die Wäscherei Angelsky aus. Es waren insgesamt 8 Brände,
die Feuerwehrmänner leisteten dabei in 3 Monaten 466 Einsatzstunden.
Ein Jahr
darauf - im Kreis geht gerade ein mysteriöser Brandstifter um - erhält die Wehr
dann ein neues Fahrzeug: ein LF8, Marke Opel Blitz mit Ziegler-Spritze.
Das Jahr 1965 steht ganz im
Zeichen des 100jährigen Jubiläums der Wanfrieder Wehr. Der damals noch
erscheinende "Wanfrieder Stadtanzeiger" verkündet euphorisch: Tausende beim
Jubiläum unserer Feuerwehr - so etwas ist einmalig. Und Ortsbrandmeister
Heinrich John kann am Ende des Jahres beruhigt feststellen: Der Rote Hahn blieb
Wanfried fern.
Die Stadtverwaltung mit
Bürgermeister Thomas zeigte sich in den folgenden Jahren großzügig: 1967 erhält
die Wehr ein neues LF 8 und 1971 gar ein Tanklöschfahrzeug, das TLF 16. Indiesem
Jahr übergibt auch Ortsbrandmeister Heinrich John nach 16 Amtsjahren seinen
Posten an Fritz John.
Zu Ostern des Jahres 1972 fährt erstmals eine
Delegation zur Freiwilligen Feuerwehr der bretonischen Partnergemeinde
Plouescat. Damit wurden kontakte aufgenommen, die sich bis heute als eng und
freundschaftlich erwiesen haben. Im gleichen Jahr erfolgt ein Gegenbesuch der
französischen Feuerwehrkameraden in Wanfried.
Im darauffolgenden Jahr findet
in Wanfried erstmals eine Hauptversammlung der durch die Gebietsreform neu
geschaffenen Großgemeinde statt. Ebenfalls in diesem Jahr - es war
Schützenfestsonntag - brennt das Ausflugslokal auf dem Beckersberg nieder.
2 Jahre später
wurde das zweite Wanfrieder Ausflugslokal durch Flammen zerstört: Am 9. Februar
1975 brannten die alten Fachwerkgebäude des Plessehauses aus. Die Wehrmänner
rissen daraufhin die Reste der Mauern ein und Bauten in Eigenleistung die
Freizeitanlage auf, die seit 1978 in Betrieb ist. Neben dem Plessehausbrand fiel
in dieses Jahr ebenso der Großbrand in der Gastwirtschaft Haase.

Plouescatbesuch 1976
1976 übernahm Helmut Löffler das
Amt des Wehrführers. Zu Beginn der 80er Jahre erreichte der Ausrüstungsstand der
Wehr einen neuen Höhepunkt: Die Erstalarmierung wurde auf Funkalarmempfänger
umgestellt und ein neues Löschfahrzeug, LF 16, angeschafft. Mit Stolz hält
Wehrführer Löffler in seinem Jahresbericht 80 fest: " Wir stehen Heute in
unserer Stadt einer Berufsfeuerwehr, was die Ausrüstung betrifft, in nichts
nach."
Das Jahr 1981 macht eine Entwicklung deutlich,
die sich bis heute fortgesetzt hat: Immer weniger Brandeinsätze stehen immer
mehr Hilfeleistungen und Arbeitseinsätzen gegenüber. So rückte die Wehr in
diesem Jahr z.B. dreimal zu Ölöeinsätzen und viermal zu Hilfeleistungen aus,
während sie lediglich bei drei kleineren Bränden eingreifen mußte. Der
spektakulärste Einsatz war dabei wohl die Hilfeleistung bei den Unwettern am 3.
und 4. Juni, die viele Wanfrieder noch im Gedächtnis haben werden. Wie sich
Wehrführer Löffler erinnerte, war " die Celler Strasse währen des Einsatzes als
Strasse nicht zu erkennen. Das Wasser uns wie in einem Flußlauf entgegen". Die
Wehr war z.T. über 36 Stunden ununterbrochen im Einsatz, reineigte Häuser und
Keller von Schlamm und zog Gräben, um das Regenwasser umzuleiten. Als
Hilfeleistung besonderer Art ist auch die Wasserversorgung von Heldra zu
erwähnen, die die Wanfrieder Wehr über 79 Tage sicherstellte. Das Heldraer
Trinkwasser war damals über den Jahreswechsel 82/83 durch Nitratbelastung
ungenießbar geworden, sodaß die Feuerwehrmänner von Wanfried aus mit ihren
Tanklöschfahrzeugen Trinkwasser herbeischafften und Haushalt für Haushalt
einzeln versorgten.
Gerätehaus mit Fuhrpark
1983 trat Helmut Löffler von
seinem Amt zurück und Karl-Heinz Keßler folgte ihm als neuer Wehrführer.
Das
kommende Jahr stand im Zeichen des 25jährigen Jubiläums der Wanfrieder
Jugendfeuerwehr, das in einem großen Rahmen gefeiert wurde. 1988 löste Fred
Mosebach Karl-Heinz Keßler als mittlerweile 13. Wehrführer ab.
Mit den revolutionären Veränderungen in der DDR im
Oktober/November letzten Jahres schließlich kamen auf die Wanfrieder Wehr nicht
nur neue Aufgaben zu ( man denke nur an die Verkehrsregelung nach Öffnung der
Grenze ) sondern auch neue Perspektiven für die Zukunft.

Übergabe eines TSF als Geschenk an die Wehr Treffurt (DDR)
In diesem Jahr nun steht die
Freiwillige Feuerwehr Wanfried im Licht ihres 125. Geburtstages. Seit 125 Jahren
haben sich nunmehr Wanfrieder Bürger ( und mittlerweile auch Bürgerinnen) für
die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr begeistern können. In der Freiwilligen
Feuerwehr tätig zu sein, heißt immer, sich uneigennützig für andere einzusetzen
- dies kann jemand schreiben der selbst nicht Feuerwehrmann ist. Die Männer der
1. Stunde verdienen damit ebenso unsere Anerkennung, wie ihre Nachfolger
und Nachfolgerinnen. Diese Festschrift soll als Ausdruck dieser Anerkennung
verstanden sein. Lassern wir zum Schluß noch einmal den 3. Kommandanten der Wehr
Carl Israel zu Wort kommen, der zum 50. Geburtstag der Turnerfeuerwehr 1915
schrieb: " Jubiläum" Dieses kurze, knappe Wort, welches so viel in sich birgt,
längst der Vergangenheit Angehöriges, Schweres, Ernstes und Freudiges! Jubiläum
- Freudentag! Ja wir wollen uns heute freuen!
- Wir haben allen Grund,
unsüber dieses Jubiläum zu freuen -
Mögen Sie sich in diesem Sinne
Veranstalter wie Gäste und Teilnehmer wie Besucher freuen über
125 Jahre
Freiwillige Feuerwehr Wanfried.
Diese Chronik wurde anlässlich des 125jährigen
bestehens der Wanfrieder Feuerwehr von Bernd Mosebach im Jahre 1990
geschrieben.